Suchst du noch oder montierst du schon?
Warum wir unser Kleinteilelager mobil gemacht haben

Das klassische Holzregal mit vielen Schubkästen: unübersichtlich und unflexibel
Beim Umzug in unsere neue Schreinerei standen wir vor einer Entscheidung: Übernehmen wir das klassische Holzregal mit seinen unzähligen, unterteilten Schubkästen? Jeder kennt das System, und jeder kennt das Problem: Man sucht, man wühlt, und am Ende fehlt genau die eine M6-Schraube, die man für die Vorrichtung braucht. Das kostet Zeit und Nerven.
Wir wollten eine Lösung, die Transparenz mit Mobilität verbindet. Das Ziel: Die Teile sollen nicht an der Wand verstauben, sondern dort sein, wo sie gebraucht werden.
Transparenz schlägt Sucherei
Statt geschlossener Fronten haben wir uns für transparente Kippboxen entschieden. Der Vorteil für den Betriebsablauf liegt auf der Hand: Du siehst beim Vorbeigehen, was drin ist und vor allem, wann der Bestand zur Neige geht. Eine einfache Markierung hilft zusätzlich, den richtigen Zeitpunkt für die Nachbestellung nicht zu verpassen.

Transparente Kippboxen schaffen Übersicht und vereinfachen die Nachbestellung
Ordnung, die sich anpasst
Das Herzstück unseres Wagens ist die beidseitig nutzbare Mittelwand aus schwarzem MDF. Während die Klappkästen fest verschraubt sind, bleiben wir bei den Werkzeugaufnahmen durch quer eingefräste Keilnuten variabel. Über einfache Nutensteine aus Kunststoff lassen sich Zapfen für Sägeblätter und Fräser sekundenschnell positionieren. In die Nuten kann man auch Werkzeugablage oder iPad / Tablet Halter einhängen. So verwandelt sich das Kleinteile-Lager bei Bedarf in einen vollwertigen Maschinenrüstwagen. Diese Multifunktionalität spart uns wertvolle Stellfläche in der Werkstatt.

Variable Werkzeugaufnahmen für Fräser, Sägeblätter und Systainer
Ein Tipp aus der Praxis
Wir fräsen die Nuten mit dem Zinkenfräser auf Vorder- und Rückseite versetzt ein. Das schont die Materialstärke der Mittelwand und sorgt für die nötige Steifigkeit, auch wenn der Wagen voll beladen ist.
Was wir heute anders machen würden
Anfangs mussten wir Nutensteine mühsam von der Seite einschieben. Das nervt im Werkstattalltag gewaltig. Wir haben die Nuten deshalb an den Außenseiten nachträglich mit einem Nutfräser leicht geöffnet. Durch dieses „Schlüsselloch-Prinzip" kannst du Halterungen jederzeit genau dort einsetzen, wo sie gerade gebraucht werden – ohne erst andere Teile beiseite zu schieben oder den Wagen halb auseinander zu schrauben.

Werkzeugablagen und Halterungen lassen sich nach Bedarf flexibel einsetzen
Mobilität braucht Tragkraft
Unterschätze niemals die Lasten, die hier zusammenkommen. Wenn viele Kleinteile, ein paar Vorrichtungen und schwere Fräser auf engem Raum konzentriert sind, zwingt das billige Baumarktrollen schnell in die Knie. Wir nutzen deshalb vier hoch belastbare Lenkrollen, damit der Wagen auch bei voller Beladung präzise manövrierbar bleibt und sicher steht.

Das mobile Kleinteile-Lager im Einsatz – direkt am Arbeitsplatz
Drei Fragen für dein Ordnungssystem
- Stationär oder mobil? Ist es wirtschaftlich sinnvoll, dass der Mitarbeiter zum Material läuft oder sollte das Material zum Arbeitsplatz kommen? Mobile Lösungen bringen zwar Flexibilität, brauchen aber auch Platz, klare Zuständigkeit und Disziplin.
- Sichtkontrolle oder ERP? Brauchst du den direkten Blick auf den Bestand, oder sind deine Prozesse bereits so digitalisiert, dass Kleinteile rein über das System laufen?
- Werkstoffwahl: Muss es Blech sein oder hast du im Resteregal noch Material für einen stabilen Korpus aus Multiplex oder MDF liegen? Wir hatten für unsere Wagen noch Untergestelle aus einer Prototypenserie von unseren Regalwagen. Ein Holzgestell wäre aber genauso denkbar und oft schneller selbst gebaut.

Auch eine Holzvariante mit Schubladenregal ist denkbar – hier als Entwurfsskizze
Unsere Lösung ist kein Standard, sondern ein Ansatz aus unserer eigenen Praxis. Vielleicht passt für dich eine T-Nut besser oder ein Unterbau komplett aus Massivholz. Wichtig ist am Ende nur, dass das System zu deinem Betrieb und dem Ablauf in deiner Abteilung passt.
