Holz fräsen
Nut und Falz, Fase und Radius, Profil und Schablonenkontur – kaum eine Technik gibt dir in der Holzbearbeitung so viele Formen an die Hand wie das Fräsen. Alles davon entsteht mit einem rotierenden, mehrschneidigen Werkzeug – ob in der Handoberfräse, am Frästisch oder an der Tischfräse.
Dieser Ratgeber führt dich einmal durch die Grundlagen: Welche Rolle spielt das Holz, wie findest du das passende Fräswerkzeug, welche Maschine passt zu welcher Aufgabe – und was gehört zur Vorbereitung, bevor der erste Span fällt? Für die einzelnen Fräsaufgaben verweisen wir am Ende auf unsere Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Fräsen mit der Handoberfräse
Inhaltsverzeichnis
- Worauf achten
- Wahl des Holzes
- Wahl des Fräswerkzeuges
- Wahl der Fräsmaschine
- Arbeitsvorbereitung
- Schritt-für-Schritt-Anleitungen
- Tipps und Tricks
Worauf musst du vor dem Fräsen achten?
Bevor du mit dem Fräsen von Holzteilen beginnst, lohnt ein kurzer Blick auf fünf Punkte:
- Kenne dein Holz: Härte, Faserverlauf und Harzgehalt bestimmen Werkzeugwahl, Drehzahl und Vorschub.
- Wähle den Fräser nach Aufgabe und Material – scharf, sauber und für deine Maschine zugelassen.
- Entscheide, ob die Aufgabe zur Handoberfräse, zum Frästisch oder zu einer stationären Maschine passt.
- Spanne das Werkstück sicher und trage Schutzbrille, Gehörschutz und Staubmaske.
- Schließe die Absaugung an und halte den Arbeitsplatz frei von Stolperstellen.
Die Wahl des richtigen Holzes
In der Regel richtest du die Auswahl deines Holzes zunächst an der Optik und der geplanten Funktion des Werkstücks aus. Unterschiedliche Holzarten haben jedoch verschiedene Eigenschaften, die das Fräsen erleichtern oder erschweren und das Endergebnis beeinflussen.

Verschiedene Holzarten zur Auswahl
Hartes Holz
Harthölzer wie Buche, Eiche, Ahorn, Esche, Kirsche und Nussbaum sind beliebt beim Möbelbau. Du solltest jedoch mit einem scharfen Fräser und angepasster Schnittgeschwindigkeit arbeiten, da Hartholz die Maschine stärker belastet. Spanne das Werkstück besonders sorgfältig und arbeite grundsätzlich mit angeschlossener Absaugung.
Weiches Holz
Weichhölzer wie Kiefer, Fichte, Tanne oder Lärche lassen sich leichter bearbeiten, sind aber druckempfindlich beim Einspannen. Eine Zulage oder gummierte Auflage verhindert Druckstellen. Weichholz und harzreiche Hölzer neigen zu Brandspuren, wenn die Drehzahl zu hoch und der Vorschub zu gering ist. Die Drehzahl richtet sich dabei in erster Linie nach dem Fräserdurchmesser: Je größer der Fräser, desto niedriger die Drehzahl. Für die Oberfläche tun ein scharfes Werkzeug und ein gleichmäßiger Vorschub mehr als jede Drehzahlkorrektur.
Holzwerkstoffe
MDF, Multiplex und Spanplatten sind oft preiswerter als Massivholz und haben gleichmäßige Eigenschaften. Ihre Bindemittel wirken auf die Schneide allerdings wie feines Schleifmittel – Hartmetall-Fräser halten hier deutlich länger durch als HSS. Zudem erzeugen Holzwerkstoffe viel Feinstaub, eine gute Absaugung ist deshalb Pflicht. Passe die Schnittgeschwindigkeit an, um Überhitzung und schnellen Werkzeugverschleiß zu vermeiden.
Die Wahl des passenden Fräswerkzeuges
Die richtige Auswahl eines Fräswerkzeugs ist entscheidend für die Qualität des Fräsergebnisses und die Lebensdauer von Werkzeug und Maschine. Achte auf Fräsertyp, -durchmesser und -material, sodass es zu Projekt, Holz und Maschine passt.

Auswahl an Fräsern am RUWI Frästisch Classic Performance

Auswahl an Fräsern am RUWI Frästisch Premium
Fräserarten und ihre Anwendungsbereiche
- Nutfräser: Für Nuten in unterschiedlichen Breiten, häufig im Möbel- und Schrankbau.
- Bündigfräser: Um überstehendes Material bündig abzutragen (beispielsweise an Schablonen).
- Fasenfräser: Abschrägen oder „Brechen“ von Kanten, in verschiedenen Winkeln und Größen.
- Abrundfräser: Zum Runden von Kanten oder dekorativen Profilen, in unterschiedlichen Radien.
- Scheibennutfräser: Für Nut-und-Feder-Verbindungen, Kanten-Nuten, Lamello.
- Profilfräser: Dekorative Profile, oft für Möbelfronten und Zierelemente.
Ein Blick lohnt sich auch auf die Kennzeichnung: Fräswerkzeuge für Handvorschub tragen nach EN 847-1 die Aufschrift „MAN“ – nur solche gehören an Frästisch, Tischfräse und Oberfräse. Werkzeuge mit „MEC“ sind für Maschinen mit mechanischem Vorschub bestimmt, beispielsweise die CNC.
Materialien von Fräsern
- HSS (High Speed Steel): Relativ günstig und bruchfester, kürzere Standzeit.
- HM (Hartmetall oder Wolframkarbid): Längere Standzeit und höhere Schnittgeschwindigkeit, aber spröder und teurer.
- Diamantbestückt (DP): Sehr lange Standzeiten in abrasiven Plattenwerkstoffen, aber teuer – die Domäne von CNC und Industrie.
Fazit: Für die meisten Arbeiten in Massivholz und Platte führt an Hartmetall kein Weg vorbei: Es hält um ein Vielfaches länger als HSS und verkraftet auch die abrasiven Bindemittel der Plattenwerkstoffe.
Die Wahl der richtigen Fräsmaschine
CNC-Fräse
Computergesteuerte Maschinen führen die Fräsverfahren programmgesteuert aus. Ihre Stärken liegen in der Wiederholgenauigkeit, bei Freiformen und in der Serie. Für das Einzelstück ist der Weg über Zeichnung, Programm und Rüsten oft länger als der direkte Weg an der Tischfräse.

CNC-Fräsmaschine in der Holzbearbeitung
Tischfräsmaschine
Mit einer senkrecht stehenden Werkzeugwelle lassen sich an der Tischfräse diverse Bearbeitungen durchführen: Kanten fasen und runden, Nuten und Fälze, Nut-und-Feder-Verbindungen. Ein Vorschubapparat verbessert die Werkstückführung – er gilt aber als Handvorschub, gefräst wird im Gegenlauf.

Stationäre Tischfräsmaschine
Oberfräse
Die handgeführte Oberfräse bringst du zum Werkstück – auf die Baustelle, an die eingebaute Küche, an das Werkstück, das für jeden Tisch zu groß ist. Kantenprofile, Schablonenarbeiten und Nuten gehen damit direkt am Objekt. Die Grenze: Du führst die Maschine frei, jede Unruhe der Hand landet im Fräsbild.

Oberfräse am eingespannten Werkstück
Unterflurfräse oder Frästisch
Hier ragt das Werkzeug von unten durch die Tischplatte. Mit Anschlag, Druckhilfen und Schablonen führst du das Werkstück mit beiden Händen – das bringt Kontrolle, gerade bei kleinen Teilen und schmalen Leisten. Professionelle Modelle wie der RUWI Frästisch saugen ober- und unterhalb der Tischplatte ab.

Die RUWI Frästische Classic und Classic Performance
Kettenstemmmaschine
Kettenstemmmaschinen stemmen Zapfenlöcher – die länglichen Aussparungen, in die später der Zapfen des Gegenstücks greift. Eine umlaufende Kette mit Schneidzähnen arbeitet sich dabei ins Holz. Im Zimmerer- und Holzbau ist das der schnelle Weg zu traditionellen Holzverbindungen; streng genommen handelt es sich um ein Stemm- und nicht um ein Fräsverfahren.
Fazit: Die Faustregel für die Wahl: Ist das Werkstück groß oder eingebaut, kommt die Maschine zum Werkstück – das ist das Feld der Oberfräse. Ist das Werkstück handlich, kommt es zur Maschine – an den Frästisch oder die Tischfräse, wo du es mit beiden Händen führst.
Arbeitsvorbereitung
Werkstück vorbereiten
Hoble oder schleife dein Brett vor dem Fräsen, damit späteres Schleifen das Fräsprofil nicht verfälscht. Außerdem sind Markierungen auf einer glatten Oberfläche besser erkennbar.
Richtige Fräswerkzeuge wählen
Prüfe deine Fräser auf Schärfe und Sauberkeit. Wenn sie verschlissen sind, führt das zu unsauberen Schnitten oder gar Beschädigungen an Holz und Maschine. Setze den Fräser mindestens bis zur Markierung in die Spannzange ein – aber nicht bis zum Aufsitzen auf dem Spannzangenboden, ein paar Millimeter Luft gehören dazu.

Auswahl des richtigen Fräsers für das Projekt
Einstellungen an der Fräsmaschine
Achte auf Drehzahl, Frästiefe, Vorschubrichtung und Vorschubgeschwindigkeit. Ein Blick in die Bedienungsanleitung deiner Maschine und deines Werkzeugs hilft, die richtigen Werte zu finden.
Wichtig: Die auf dem Fräser angegebene Höchstdrehzahl darf nie überschritten werden.

Einstellen der Fräserhöhe am Frästisch
Sicherheitsvorkehrungen
Trage Schutzbrille, Gehörschutz und Staubmaske, keine lockere Kleidung und keinen Schmuck, um ein Verfangen in der Maschine zu verhindern. Spanne das Werkstück mit Zwingen oder Spannelementen, statt es nur festzuhalten, und schließe die Absaugung an, bevor der erste Span fällt – Holzstaub belastet die Lunge, Eichen- und Buchenholzstaub gilt als krebserzeugend. Ein aufgeräumter Arbeitsplatz ohne Stolperstellen gehört dazu.
Schritt-für-Schritt-Anleitungen
In unseren Artikeln findest du detaillierte Anleitungen für die einzelnen Fräsaufgaben: das Fräsen von Nuten, das Abrunden von Kanten, das Herstellen von Profilen und das Planfräsen mit der Oberfräse. Die Systematik dahinter – welche Fräsverfahren es gibt und worin sie sich unterscheiden – zeigt dir der Überblick über die Fräsverfahren.
Tipps und Tricks
Mehrere gleiche Teile mit der Oberfräse herstellen
Erstelle eine Schablone aus stabilem Material (beispielsweise Sperrholz) und befestige sie auf dem Werkstück. Ein Bündigfräser kopiert die Schablonenkontur exakt aufs Rohteil. Oder nutze Anschlaglineal und Klappanschläge (beispielsweise am RUWI Frästisch) für wiederholgenaue Positionen.
Pflege und Wartung der Oberfräse
Halte die Oberfräse nach jedem Einsatz sauber, vor allem die Lüftungsschlitze und beweglichen Teile. Überprüfe regelmäßig den Zustand der Fräser und schärfe oder ersetze sie bei Bedarf. So bleiben Leistung und Präzision erhalten.
Vorschubrichtung: Gegenlauf bei Handvorschub
Bei Handvorschub wird im Gegenlauf gefräst. Die Schneide läuft dem Vorschub am Eingriffspunkt entgegen, die Schnittkraft wirkt gegen deine Schubrichtung, und du behältst die Kontrolle über das Werkstück. Am Frästisch und an der Tischfräse läuft es deshalb von rechts nach links am Anschlag vorbei.
Im Gleichlauf wirkt die Schnittkraft dagegen in Vorschubrichtung: Das Werkzeug zieht das Werkstück selbst heran. Dieser Selbsteinzug ist von Hand nicht beherrschbar. Wann und unter welchen Bedingungen der Gleichlauf zulässig ist, steht im Beitrag Gleichlauffräsen.
Holzstaub vermeiden
Verwende eine leistungsstarke Absaugung und positioniere Fräse sowie Werkstück so, dass Späne in Richtung Absaugung gefördert werden. Achte auf dichte Schläuche und Verbindungen. Der RUWI Frästisch saugt ober- und unterhalb der Tischplatte ab, Anschluss Ø 120 mm, rund 170–230 m³/h bei 20 m/s. Die Absaugung ist DGUV-geprüft.
