Profilfräsen mit Oberfräse und Frästisch - So fräst du perfekte Profile

Ein Profil ist schnell gefräst und ebenso schnell verdorben. Eine Brandspur in der Rundung, ein Ausriss am Hirnholz, ein Konterprofil, das sich beim Zusammenstecken nicht schließt. Das Fräsen selbst dauert Minuten – die Entscheidungen davor bestimmen, ob du es einmal machst oder zweimal.

Dieser Beitrag geht die Reihenfolge durch, in der die Arbeit entsteht: Maschine, Werkzeug, Drehzahl, Richtung, Zustellung. Durchgehend für Handvorschub, wie er in der Schreinerei die Regel ist.

Profilierte Holzkante im Handvorschub gefräst

Profil an der Kante, gefräst im Handvorschub

Inhaltsverzeichnis

An welcher Maschine du profilierst

Die Tischfräse ist die Maschine für große Profile. Das Werkzeug sitzt auf dem Fräsdorn, der Durchmesser ist nach oben weit offen, und mit Vorschubapparat lassen sich lange Serien gleichmäßig durchziehen. Rahmen- und Fensterprofile in voller Größe gehören hierher.

Tischfräse mit Vorschubapparat in der Werkstatt

Tischfräse mit Vorschubapparat – die Maschine für große Profilsätze

Der Frästisch – die Unterflurfräse mit eingebauten Oberfräsenmotoren – arbeitet mit Schaftwerkzeugen in der Spannzange. Das begrenzt die Profilgröße, spart dafür Rüstzeit: Beim RUWI Frästisch bleiben je nach Modell drei bis zehn Fräser gleichzeitig eingespannt, du fährst zum passenden Motor statt umzurüsten. Für Fasen, Rundungen, Kassetten- und kleinere Rahmenprofile ist das der schnellere Weg.

RUWI Frästisch Classic Performance und RUWI Frästisch Premium

RUWI Frästisch Classic Performance und Premium

Die Handoberfräse kommt dorthin, wo das Werkstück nicht zur Maschine kann: montierte Teile, große Platten, Baustelle.

Arbeiten mit der Handoberfräse am Werkstück

Handoberfräse für Teile, die schon montiert sind

Die Regeln zu Richtung, Zustellung und Werkzeug gelten für alle drei.

Das Werkzeug muss zur Maschine passen, bevor es zum Profil passt

Aufnahme. Auf dem Fräsdorn der Tischfräse laufen die großen Profilsätze. In der Spannzange zählt der Schaftdurchmesser: Beim RUWI Frästisch mit Standardmotor sitzt serienmäßig Ø 8 mm, alternativ 6, 6,35 und 10 mm; die Classic Performance nimmt mit Ø 12 mm und Spannzangen von 3 bis 10 mm größere Schäfte auf. Der 6,35er ist der Zoll-Schaft – bei Werkzeugen aus dem angloamerikanischen Raum lohnt der Blick vor der Bestellung.

Durchmesser. Am Frästisch ist bei Ø 40 mm Schluss, mit der Performance bei Ø 55 mm. Das entscheidet mit darüber, welche Arbeit an welche Maschine geht: Kassetten- und kleine Rahmenprofile bleiben darunter, ein voller Konterprofilsatz für Zimmertüren liegt darüber und gehört auf den Fräsdorn.

Verschiedene Profilfräser in den Spindeln des RUWI Frästisch Classic Performance

Schaftwerkzeuge in der Classic Performance – Spannzange Ø 12 mm, Werkzeuge bis Ø 55 mm

Kennzeichnung. An Tischfräsmaschinen dürfen im Handvorschub nur Werkzeuge laufen, die dafür zugelassen sind – erkennbar an „MAN“, „HANDVORSCHUB“ oder dem BG-TEST-Prüfzeichen. Bei Schaftfräsern für die Handoberfräse gilt die Kennzeichnungspflicht ab einem Schneidenkreisdurchmesser von 16 mm. Trägt ein Werkzeug keine Beschriftung, prüfst du es mit der Prüfschablone – und ziehst es aus dem Verkehr, wenn es durchfällt. Die Höchstdrehzahl steht ebenfalls auf dem Werkzeug und wird nicht überschritten, auch nicht kurz.

Konterprofile kaufst du als Satz und lässt sie als Satz schärfen. Werden Profil und Gegenprofil getrennt nachgeschärft, passt die Paarung danach nicht mehr. Überhaupt gilt beim Profilfräser: Nachschärfen kostet Durchmesser, und mit dem Durchmesser wandert die Kontur. Wo dieselbe Form über Jahre reproduzierbar bleiben muss, sind Wendemesser die ruhigere Lösung.

Die passenden Werkzeuge findest du unter Fräswerkzeuge. Die gängigen Profile gibt es auch von anderen Herstellern in guter Qualität – entscheidend ist die Passung zu deiner Aufnahme, nicht das Logo.

Drehzahl: der Durchmesser entscheidet, nicht die Holzhärte

Die verbreitete Faustregel „hartes Holz langsam, weiches Holz schnell“ führt in die Irre. Maßgeblich ist die Schnittgeschwindigkeit am Umfang, und die hängt am Werkzeugdurchmesser: Je größer der Fräser, desto niedriger die Drehzahl. Die Holzart entscheidet erst danach mit, weil harzreiches Holz eher schmiert und dichte Hölzer eher brennen.

Drehzahlregler am RUWI Fräsmotor

Stufenlose Drehzahlregelung, 8.000–25.000 U/min

Deshalb ist eine stufenlose Regelung an einer Maschine, an der wechselnde Profildurchmesser laufen, kein Komfort, sondern Voraussetzung. Der RUWI Fräsmotor deckt 8.000 bis 25.000 U/min ab, die Performance-Variante 3.500 bis 30.000.

Fällt die Drehzahl beim Fräsen hörbar ab, nimmst du zu viel Span auf einmal. Die Elektronik hält die Drehzahl unter Last konstant – wenn sie trotzdem einbricht, ist das ein Signal über die Zustellung, nicht über den Motor.

Richtung: Gegenlauf ist bei Handvorschub keine Option, sondern gesetzt

An Tischfräse und Frästisch läuft das Werkstück von rechts nach links am Anschlag vorbei. Im Gleichlauf würde die Schnittkraft in deine Schubrichtung wirken und das Werkstück selbst heranziehen – bei Handvorschub ist dieser Selbsteinzug nicht beherrschbar.

Zwei Stellen, an denen die Richtung im Arbeitsgang unbemerkt kippt: Maschinen mit umschaltbarer Drehrichtung, und Profile, die breiter sind als das Werkzeug und in mehreren Gängen entstehen. Setz dabei den Anschlag zwischen den Gängen zurück und leg nie das Werkstück auf die andere Seite des Fräsers.

Beides steht ausführlich in Gegenlauffräsen; wann der Gleichlauf zulässig ist, klärt Gleichlauffräsen.

Zustellung und Ansetzen

Tiefe Profile entstehen in mehreren Gängen. Wie viele, sagt dir das Werkstück: Sobald die Vorschubkraft so hoch wird, dass du das Teil nicht mehr ruhig führen kannst, ist die Zustellung zu groß. Der letzte Gang ist der Feinschnitt – wenig Span, gleichmäßiger Vorschub, kein Stehenbleiben. Jede Stelle, an der du zögerst, brennt sich ins Holz.

Beim Ansetzen liegt die eigentliche Gefahrenstelle: Das Werkstück muss am Anschlag anliegen, bevor es das laufende Werkzeug berührt. Frei ins Werkzeug einzutauchen und dann den Anschlag zu suchen, ist der klassische Weg zum Rückschlag. Bei Einsetzarbeiten gehören Rückschlagsicherung und Queranschlag dazu.

Einstellen der Fräserhöhe am Frästisch

Fräserhöhe einstellen – Feineinstellung in 0,1-mm-Schritten

Die Höhe stellst du mit der Messuhr ein, nicht nach Augenmaß. Am RUWI Frästisch übernimmt das die Feineinstellung in 0,1-mm-Schritten. Davor eine Probefräsung an einem Reststück derselben Holzart und Stärke – nicht an irgendeinem Brett, und nur mit montierten Schutzvorrichtungen.

Hirnholz: die Reihenfolge entscheidet

Am Faseraustritt reißt die Kante aus, und am Hirnholz reißt sie am stärksten. Bei Rahmenteilen löst sich das über die Reihenfolge: erst die Hirnholzkanten profilieren, dann die Längskanten. Der Längsschnitt nimmt den Ausriss wieder mit.

Wo das nicht geht, arbeitest du mit einem Gegenhalter oder einem Opferholz, das hinter dem Werkstück mitläuft und den Faseraustritt stützt. Ein scharfes Werkzeug und ein ruhiger Vorschub ersparen dir mehr Ausrisse als jeder Kniff danach.

Rundstab am Frästisch fräsen

Rundstab am Frästisch

Sicherheit: erst die Maschine, dann die Person

Die Schutzmaßnahmen an der Maschine kommen zuerst. Was am Körper getragen wird, ist das, was übrig bleibt.

  • Werkzeugverdeckung, Druck- und Andruckelemente anbringen und montiert lassen. Auch für den einen schnellen Span.
  • Kurze Werkstücke gehören in eine Spannlade, nicht in die Finger. Am Frästisch verkleinert der Einlegering zusätzlich den Spalt um den Fräser, damit kleine Teile nicht einfädeln.
  • Hände flach mit geschlossenen Fingern auf das Werkstück, gleichmäßig vorschieben – die Haltung, die verhindert, dass ein Finger in den Spalt gerät.
  • Bogenfräsen nur mit Anlaufring und Bogenanschlag. Freihändig gegen das Kugellager anzusetzen ist die Stelle, an der es klassisch schiefgeht; am Frästisch übernimmt das Bogenlineal die Führung.
  • Absaugung ist eine technische Schutzmaßnahme, keine Bequemlichkeit. Der RUWI Frästisch saugt ober- und unterhalb der Platte ab, Anschluss Ø 120 mm, rund 170–230 m³/h bei 20 m/s, DGUV-geprüft.
  • Erst danach: Gehörschutz, Schutzbrille, eng anliegende Kleidung, kein Schmuck.

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall hat das kompakt zusammengestellt – für die Maschine in „Arbeiten an Tischfräsmaschinen“ (Arbeitsschutz Kompakt Nr. 044), für die Werkzeuge in „Fräswerkzeuge für die Holzverarbeitung“ (Nr. 092) und für die Handmaschine in „Arbeiten mit der Handoberfräse“ (Nr. 080).

Wann ein Werkzeug aus dem Verkehr gehört

Ein stumpfer Fräser kündigt sich an, bevor das Werkstück verdorben ist: Der Motor arbeitet hörbar schwerer, an der Kante zeigen sich Brandspuren, der Ausriss am Hirnholz nimmt zu. Wer dann noch drei Türen durchzieht, bezahlt das mit Ausschuss.

Profilfräser auf Schärfe prüfen

Schneide prüfen, bevor die Serie läuft

Harz und Leimreste setzen die Schneide zu und wirken wie eine Abstumpfung, die keine ist – Werkzeug nach dem Arbeitsgang reinigen, dann bleibt es länger scharf.

Was du jetzt tun kannst

Vor dem nächsten Profil drei Fragen: Passt die Aufnahme, liegt der Durchmesser innerhalb dessen, was die Maschine trägt, und ist das Werkzeug für Handvorschub gekennzeichnet? Danach Probestück derselben Holzart, Zustellung in Gängen, Hirnholz zuerst.

Wenn du an einer Stelle nicht weiterkommst oder wissen willst, welche Profile bei dir sinnvoll an den Frästisch wandern und welche an der Tischfräse bleiben: Ruf an oder vereinbar ein Werkstattgespräch.