Plattenlager in der Schreinerei: mehr als ein Regal
Bei einem Plattenlager denkt jeder zuerst an Regale, Fächer und Stellplätze. Als wir unsere Produktion mit Schreinerei in den Neubau verlegt haben, sind wir mit genau dieser Frage gestartet: Wie lagern wir künftig unsere Platten? Je länger wir darüber nachgedacht haben, desto klarer wurde: Es geht gar nicht nur um das Regal.
Warum das Regal nur die halbe Antwort ist
Viel wichtiger ist, wie sich das Material später durch die Werkstatt bewegt. Denn eine Platte wird nicht produktiver, nur weil sie ordentlich gelagert ist. Entscheidend ist, wie schnell sie verfügbar ist, wie oft sie bewegt werden muss und ob sie sicher zur Maschine gelangt.
Wie viele Wege darf eine Platte machen?
Wir arbeiten nicht mit einer Plattenaufteilsäge, sondern schneiden unsere Platten direkt auf der Formatkreissäge zu. Deshalb war für uns diese Frage wichtiger als jede Regalkonstruktion. Jede zusätzliche Bewegung kostet Zeit, jeder unnötige Transport erhöht das Risiko für Beschädigungen.

Zuschnitt direkt auf der Formatkreissäge – jeder Weg dorthin zählt
Statt über Regalhöhen und Fächer haben wir deshalb zuerst über den Materialfluss nachgedacht: Wo kommen Platten an? Wo werden sie gelagert? Wo werden sie bearbeitet? Und wie oft müssen sie dazwischen bewegt werden?
Warum wir uns für ein stehendes Plattenlager entschieden haben
Beim Neubau entsteht schnell der Wunsch, möglichst viel Lagerfläche vorzusehen. Wir haben uns stattdessen gefragt, welche Materialien wirklich ständig verfügbar sein müssen. Denn jeder zusätzliche Lagerplatz belegt Fläche und bindet Kapital. Die Herausforderung besteht nicht darin, möglichst viele Platten unterzubringen, sondern die richtigen Platten dort bereitzuhalten, wo sie gebraucht werden.
Aufgrund der begrenzten Fläche fiel unsere Entscheidung auf ein stehendes Plattenlager. Damit war sofort klar: Es geht nicht nur um Platzbedarf. Platten müssen sicher stehen, entnommen und bewegt werden können. Gerade bei großformatigen Werkstoffen werden Arbeitssicherheit und Transport schnell genauso wichtig wie die Lagerung.
Vom Lager zur Säge
Ein Gedanke hat uns während der Planung immer wieder begleitet: Das Regal löst nur einen Teil des Problems. Deshalb haben wir früh überlegt, wie die Platten vom Lager zur Maschine gelangen. Ob dafür ein Plattenwagen, eine Plattenschwenkeinrichtung oder eine selbst entwickelte Lösung zum Einsatz kommt, hängt von deinen Abläufen ab.

Plattenschwenkeinrichtung im Einsatz: stehend entnehmen, liegend zur Säge (Foto: Felder Group)
Wie so eine eigene Lösung aussehen kann, zeigen die Kollegen von JPC-Wood: Sie haben einen RUWI Hubtisch zu einem Plattenschwenker umgebaut, der die Platte um ihren eigenen Schwerpunkt kippt, statt sie zu heben. Das Fachmagazin BM stellt den Umbau in Ausgabe 02/26 vor, einen kostenfreien Plansatz zum Nachbau gibt es dazu.

Selbst entwickelter Plattenschwenker auf Basis eines RUWI Hubtischs (Foto: JPC Wood)
Warum wir trotzdem auf zusätzliche Hilfsmittel verzichten
Manchmal ist die passende Antwort aber auch, bewusst zu verzichten. Wenn die Wege kurz sind wie bei uns und Platten grundsätzlich zu zweit bewegt werden, kann genau das eine gut funktionierende Lösung sein. Wir arbeiten meist mit zwei einfachen Tragegriffen und dem Hubtisch. Das passt zu unseren Abläufen und reicht für die anfallenden Transporte vollkommen aus.

Zu zweit an der Säge – im Hintergrund unser stehendes Plattenlager
Entscheidend ist aus unserer Sicht weniger das konkrete Hilfsmittel als die Frage, ob das Material sicher, kontrolliert und ohne unnötigen Aufwand bewegt werden kann.

Einfache Tragegriffe, griffbereit an der Wand
Drei Fragen für dein Plattenlager
- Wo entstehen die meisten Plattenbewegungen? Plane dein Lager von der Säge her, nicht von der freien Wand. Jeder eingesparte Weg zahlt sich bei jedem Zuschnitt aus.
- Welche Materialien müssen wirklich sofort verfügbar sein? Jeder zusätzliche Lagerplatz belegt Fläche und bindet Kapital. Halte die richtigen Platten bereit, nicht möglichst viele.
- Kann das Material sicher bewegt werden? Gerade bei großformatigen Platten sind Arbeitssicherheit und Transport schnell genauso wichtig wie die Lagerung selbst.
Wie so oft im Handwerk gibt es auch beim Plattenlager nicht die eine richtige Lösung. Unsere passt zu unseren Abläufen und Rahmenbedingungen – in deiner Werkstatt kann die Antwort anders aussehen. Vielleicht liegt genau darin die wichtigste Erkenntnis: Beim Umzug haben wir zunächst über ein Plattenregal nachgedacht. Rückblickend haben wir über Materialfluss gesprochen. Das Regal war nur das sichtbare Ergebnis dieser Überlegungen. Denn die spannendsten Fragen drehen sich selten um die Konstruktion selbst, sondern um die Abläufe, die sie unterstützen soll.
