Warum in unseren Maschinen Teile aus Sulz stecken

Die Teile, über die du nie nachdenkst

Du legst einen Klemmhebel um, und der Anschlag sitzt. Du ziehst einen Griff an, und die Einstellung hält. Hundert Handgriffe am Tag, seit Jahren – und wenn alles gut läuft, denkst du über keinen einzigen davon nach. Das ist das größte Kompliment, das ein Bauteil bekommen kann: dass es dir nie auffällt.

Dabei steckt in so einem Teil mehr, als man ihm ansieht. Ein Bedienteil bestimmt mit, wie eine Maschine aussieht und wie sie sich anfühlt – es ist das Stück, das deine Hand kennt. Und ohne es läuft nichts: Der schönste Frästisch ist nur so gut wie die Klemmung, die seinen Anschlag hält. Wenn wir ein Lieblingsteil nennen müssten: der Klemmhebel an unseren Schnellspannern. Er liegt gut in der Hand, und er macht aus einem Spannvorgang einen einzigen Handgriff. Solche Teile bauen wir nicht selbst. Sie kommen aus Sulz (Holzhausen) – seit es RUWI gibt.

Der Klemmhebel an unserem Schnellspanner – ein Handgriff, und es sitzt

Der Satz aus Holzhausen

RUWI hat klein angefangen: erste Werkstatt, erste Maschinen, den KIPP-Katalog als Inspirationsquelle immer griffbereit. Im allerersten Frästisch-Prototyp steckten schon KIPP-Teile. Reiner ist damals persönlich auf KIPP zugegangen – auch, weil Heinrich Kipp, der das Werk führte, für ihn ein Vorbild war. Aus der Lieferbeziehung wurden Besuche, aus Besuchen Gespräche.

KIPP-Videodreh für ein Anwendungsvideo bei RUWI

Und in diesen Anfängen sagte Heinrich Kipp einen Satz, der hängen geblieben ist: Irgendwann, meinte er, werde Reiner auch ein neues Firmengebäude bauen. Da stand RUWI noch in der ersten Werkstatt. Heinrich Kipp hat etwas gesehen, das wir selbst noch nicht sehen konnten. Solche Sätze vergisst man nicht. Sie geben Orientierung – über Jahre.

Wer so etwas sagt, muss es wissen. 1919 als mechanische Werkstatt gegründet, machte KIPP zuerst mit einer Spätzlemaschine von sich reden. 1952 folgte der erste industriell gefertigte verstellbare Klemmhebel; heute gibt es ihn in rund 27.500 Varianten, bis hinein in Roboter und Automatisierungsanlagen. Aus der Werkstatt wurde ein Werk: über 530 Beschäftigte am Stammsitz, über 90.000 Artikel, gefertigt in Deutschland. Geführt wird es im Generationsteam – Heinrich Kipp und sein Sohn Nicolas, gemeinsam mit Bernd Plocher. Wer Reiner nach seinen Besuchen in Sulz fragt, bekommt zwei Dinge zu hören: den Eindruck eines Unternehmens, das nach vorn gerichtet ist und investiert, bis hinein in die Logistik. Und Gespräche mit Menschen, die man im Schwarzwald schlicht Ehrenleute nennt.

Das HEINRICH KIPP WERK in Zahlen

Gegründet 1919, Sulz am Neckar
Erster verstellbarer Klemmhebel 1952
Beschäftigte am Stammsitz über 530
Artikel im Programm über 90.000
Geführt im Generationsteam, vierte und fünfte Generation
KIPP-Teile in RUWI-Maschinen seit dem ersten Frästisch-Prototyp
Entfernung der Werke rund 14 km Luftlinie

Gelebt, nicht formuliert

Über Werte kann man Sätze schreiben. Man kann sie auch bauen.

Bei KIPP sieht das so aus: rund 55 Auszubildende im eigenen Haus, 2019 Platz 2 unter „Deutschlands besten Ausbildungsbetrieben" in der Metallindustrie. Das steht nicht in einem Leitbild – das läuft jeden Tag über den Hof.

Und bei uns? Wir sind kleiner, aber die Richtung ist dieselbe. Mit der Heimbachschule machen wir Projekttage, weil Wissen weitergegeben gehört. Und als die Konjunktur zuletzt schwächelte und viele Betriebe den Kopf einzogen, haben wir gebaut: ein neues Firmengebäude, errichtet von Handwerkern aus der Region, mit Rohstoffen von hier. Man kann das riskant nennen. Wir nennen es Verantwortung – in Generationen denken statt in Quartalen.

Unser Neubau in Fluorn-Winzeln – errichtet von Handwerkern aus der Region

Der Satz von Heinrich Kipp hat sich damit erfüllt. Und die nächste Generation steht längst in der Werkstatt: Reiners Söhne bauen das Unternehmen aus – sie stellen sich, wie wir es nennen, auf die Schultern des Vaters. Vater und Sohn dort, Vater und Söhne hier. Vielleicht ist das der Grund, warum sich die beiden Betriebe so gut verstehen.

Eine Parallele hat uns bei der Recherche trotzdem überrascht: Von KIPPs Spätzlemaschinen sind viele nach Firmenangaben bis heute in Gebrauch – und über unsere Maschinen schrieb die Fachzeitschrift BM, der Gebrauchtmaschinenmarkt sei weitgehend RUWI-frei, weil niemand seine Maschine wieder hergibt. Zwei Betriebe, deren Produkte man nicht mehr loswird. Wenn das kein gelebter Wert ist.

Was Normteile für deine Werkstatt bedeuten

Warum wir dir das alles erzählen? Weil am Ende etwas Handfestes für deine Werkstatt dabei ist: Nachkaufsicherheit. Die KIPP-Teile an unseren Frästischen und Hubtischen sind Normteile – Katalogartikel mit Artikelnummer und Datenblatt, gefertigt in Deutschland. Ein Normteil bestellst du nach wie ein Ersatzteil, auch in zehn Jahren noch, unter seiner Nummer im technischen Handel. Ein namenloses Zukaufteil verschwindet dagegen mit dem nächsten Sortimentswechsel seines Importeurs. Deshalb sitzen an unseren Maschinen Teile mit Herkunft.

Der RUWI Frästisch – mit Teilen aus Sulz seit dem ersten Prototyp

Übrigens läuft die Partnerschaft längst in beide Richtungen: Wir beliefern KIPP auch mit eigenen Entwicklungen und Spannelementen.

Danke, Nachbarn

Bleibt ein Dank, und der gehört genau hierher. Danke für 26 Jahre Bedienteile, die einfach ihren Dienst tun. Danke für Türen, die einem jungen Betrieb offen standen. Und danke für einen Satz in der ersten Werkstatt, der weiter getragen hat als jedes Bauteil.

Vieles ist gerade im Umbruch, in unserer Branche wie überall – manche Sicherheit von früher ist weg. Umso mehr zählt, was zwischen Schwarzwald und Neckar auf vierzehn Kilometern passiert: zwei Familienbetriebe, die nicht nur an sich denken, sondern in Generationen. Die weiter in Menschen und Region investieren – und dabei hoffnungsvoll bleiben.