Maschinenstundensatz berechnen – was die Laufstunde in der Schreinerei kostet
Ein Kunde fragt an: 40 Laufmeter Leimholz zuschneiden, besäumen, auf Breite bringen. Deine Arbeitsstunde hast du im Kopf. Aber was kostet die Stunde, in der deine Formatkreissäge läuft? Wer diese Zahl nicht kennt, verschenkt sie bei jedem Angebot – oder legt sie drauf.
Verbands- und Beispielsätze helfen dabei wenig: Sie liegen zwischen Betrieben schnell um ein Mehrfaches auseinander, weil Anschaffungspreise, Laufzeiten und Abschreibungsdauern so verschieden sind. Die einzige Zahl, die für deine Werkstatt stimmt, ist die selbst gerechnete. Dieser Artikel führt einmal komplett durch die Rechnung – mit Formel, allen Kostenbausteinen und einem durchgerechneten Beispiel.
Maschinenstundensatz und Stundenverrechnungssatz – zwei verschiedene Zahlen
Der Maschinenstundensatz sagt, was eine Stunde Laufzeit einer bestimmten Maschine kostet – nur die Maschine, ohne den Menschen davor. Löhne, Verwaltung, Fahrzeuge und Gewinn stecken im Stundenverrechnungssatz, den du deinen Kunden berechnest. Beide Zahlen gehören zusammen: In der Kalkulation eines Auftrags steht die Maschinenzeit mit ihrem eigenen Satz neben der Arbeitszeit. Wer Maschinenkosten pauschal „im Stundensatz drin“ vermutet, subventioniert maschinenlastige Aufträge mit den handarbeitslastigen.
Die Formel und ihre sechs Bausteine
Die Rechnung ist eine einzige Division: alle Kosten, die eine Maschine in einem Jahr verursacht, geteilt durch die Stunden, die sie in diesem Jahr wirklich läuft. Die Jahreskosten setzen sich aus sechs Bausteinen zusammen.
Die kalkulatorische Abschreibung verteilt den Wertverzehr der Maschine auf ihre Nutzungsjahre. Gerechnet wird mit dem Wiederbeschaffungswert, nicht mit dem alten Kaufpreis – denn irgendwann steht der Ersatz an, und der kostet den Preis von morgen. Als Nutzungsdauer setzt du die Jahre an, die die Maschine bei dir realistisch arbeitet.
Die kalkulatorischen Zinsen verzinsen das Kapital, das in der Maschine steckt und nicht auf dem Konto arbeiten kann. Üblich ist: halber Maschinenwert mal Zinssatz – der halbe Wert, weil das gebundene Kapital über die Jahre durch die Abschreibung sinkt.
Die Raumkosten sind der Anteil deiner Werkstattmiete oder Gebäudekosten für die Fläche, die die Maschine belegt. Zähl ehrlich: Bei einer Formatkreissäge gehören Bedienraum und die Ausladung für lange Werkstücke und Platten dazu, nicht nur die Stellfläche.
Die Energiekosten ergeben sich aus Anschlussleistung, tatsächlicher Auslastung und Strompreis. Ein Motor zieht seine Nennleistung nur unter Last – über die Laufzeit gemittelt liegt der Verbrauch deutlich darunter. Und denk die Absaugung mit: Ihr Motor läuft parallel und gehört anteilig auf dieselbe Rechnung.
Die Instandhaltung sammelt Wartung, Ersatzteile und Reparaturen. Der beste Wert ist der Blick in die eigenen Rechnungen der letzten Jahre; wer den nicht hat, startet mit einer Jahrespauschale und schärft nach.
Die Werkzeugkosten sind in der Holzbearbeitung ein eigener Posten: Sägeblätter kaufen, schärfen lassen, irgendwann ersetzen. Bei einer viel laufenden Säge kommt hier mehr zusammen, als viele vermuten.
Die Laufstunden: der Faktor, der über alles entscheidet
Der häufigste Fehler steht unter dem Bruchstrich. Deine Arbeitszeit ist nicht die Laufzeit der Maschine: Von einem vollen Arbeitsjahr entfallen auf eine einzelne Maschine oft nur wenige hundert Stunden echter Laufzeit – der Rest ist Rüsten, Messen, Montieren, Oberfläche, Kundengespräch. Eine pauschale Hausnummer wäre an dieser Stelle geraten, nicht gerechnet: Je nach Auftragsmix ist dieselbe Säge in einem Betrieb das Herz der Fertigung und im nächsten nur fürs Zuschneiden im Einsatz. Der bayerische Schreiner-Fachverband warnt aus genau diesem Grund davor, fremde Beispielsätze zu übernehmen: Zwischen Betrieben liegen sie bis Faktor fünf auseinander. Deshalb führt am eigenen Zählen nichts vorbei.
Und Vorsicht vor der 2.000-Stunden-Falle: Rechner aus der Industrie setzen gern die volle Einschicht an – 250 Tage mal 8 Stunden. Das ist die Kapazität der Halle, nicht die Laufzeit deiner Säge. Wer damit rechnet, viertelt seinen Satz auf dem Papier und verschenkt bei jedem Auftrag. Eine der wenigen je veröffentlichten Messungen dazu kommt aus der Fachzeitschrift BM: CNC-Maschinen im Handwerk laufen im Schnitt rund zwei Stunden am Tag.
Wer einen Betriebsstundenzähler hat, liest ihn ab. Wer keinen hat, führt eine Woche lang eine Strichliste je Maschine und rechnet mal 45 Arbeitswochen. Eine ehrlich niedrige Zahl ist unbequem, aber richtig – eine geschönte Laufzeit macht den Stundensatz klein und das Angebot zum Verlustgeschäft.
Rechenbeispiel Formatkreissäge
Alle Werte sind Annahmen, damit die Rechnung greifbar wird – setz an jeder Stelle deine eigenen Zahlen ein. Angenommen: Wiederbeschaffungswert 22.000 €, Nutzungsdauer 10 Jahre, Zinssatz 4 Prozent, 20 m² Fläche zu 8 € Monatsmiete je Quadratmeter, Anschlussleistung 5,5 kW bei 40 Prozent Auslastung, Strompreis 0,27 € je Kilowattstunde, 500 Laufstunden im Jahr. Zur Einordnung der zwei Ortsfaktoren: Ländliche Werkstattmieten liegen eher bei 3 bis 6 € je Quadratmeter, städtische darüber; beim Strom zahlen kleine Gewerbebetriebe 2026 um die 27 Cent je Kilowattstunde, größere Abnehmer ab etwa 17.
| Kostenbaustein | Rechnung | Im Jahr |
|---|---|---|
| Kalkulatorische Abschreibung | 22.000 € auf 10 Jahre | 2.200 € |
| Kalkulatorische Zinsen | 11.000 € × 4 % | 440 € |
| Raumkosten | 20 m² × 8 € × 12 Monate | 1.920 € |
| Energie | 5,5 kW × 40 % × 500 h × 0,27 € | 297 € |
| Instandhaltung | Jahrespauschale | 500 € |
| Sägeblätter und Schärfen | Jahrespauschale | 400 € |
| Summe | – | 5.757 € |
5.757 € geteilt durch 500 Laufstunden ergeben 11,51 € je Laufstunde. Diese Zahl wandert in die Kalkulation: Eine Stunde Sägen kostet den Betrieb 11,51 € Maschine plus die Arbeitsstunde des Menschen daran.
Und jetzt der Hebel: Von den 5.757 € hängen nur Strom und Sägeblätter an der Laufzeit. Abschreibung, Zinsen, Miete und die Jahreswartung bleiben, ob die Säge läuft oder steht. Mit denselben Annahmen, aber nur 250 Laufstunden, steigt der Satz auf rund 21,60 € – fast das Doppelte. Auslastung ist der stärkste Preisregler, den du hast.
Die vier teuersten Rechenfehler
- Der Bedienerlohn wandert in den Maschinensatz. Mensch und Maschine sind zwei Posten – vermischt, verrechnest du beide falsch.
- Die Laufzeit wird geschönt. 2.000 Stunden klingen fleißig, machen den Satz aber nur auf dem Papier klein – das Angebot trägt die Kosten trotzdem.
- Die Nebenposten fehlen. Versicherung, Druckluft, Absaugung, Schmierstoffe: einzeln klein, zusammen ein spürbarer Jahresbetrag.
- Gerechnet wird mit dem alten Kaufpreis. Für die Ersatzbeschaffung zählt der Preis von morgen – der Wiederbeschaffungswert.
Wofür du den Maschinenstundensatz brauchst
- Angebote kalkulieren: Maschinenzeit mal Maschinensatz kommt zusätzlich zur Arbeitszeit in die Vorkalkulation – maschinenlastige Aufträge werden sauber bepreist statt quersubventioniert.
- Eigenfertigung oder Zukauf entscheiden: Erst mit dem eigenen Satz kannst du vergleichen, ob das zugekaufte CNC-Teil wirklich teurer ist als die eigene Stunde an der Maschine.
- Investitionen prüfen: Vor dem Kauf die erwarteten Laufstunden nüchtern schätzen und den künftigen Satz rechnen – dann trägt die Zahl die Entscheidung, nicht der Prospekt.
Manchmal ist das Ergebnis unbequem: Eine Maschine, die 80 Stunden im Jahr läuft, rechnet sich über den Stundensatz kaum. Dann sind Zukauf, Mieten oder die gebrauchte Maschine die ehrlichere Antwort – auch das ist ein Ergebnis dieser Rechnung.
Vom Einzelplatz zum Maschinenpark
Im größeren Betrieb ändert sich nicht die Rechnung, sondern die Arbeitsteilung. Jede Maschine bekommt ihren eigenen Satz – angefangen bei denen, die viel Kapital binden oder viel laufen: Formatkreissäge, Breitbandschleifmaschine, CNC. Die Laufstunden kommen aus der Werkstatt, vom Betriebsstundenzähler oder vom Vorarbeiter mit der Strichliste; gerechnet und gepflegt wird in der Kalkulation. Einmal im Jahr gehören die Sätze auf den Prüfstand, nach jeder größeren Anschaffung sofort. So wird aus einer Beispielrechnung ein Werkzeug, das der ganze Betrieb benutzt.
Kalkulation und Steuer: zwei getrennte Rechnungen
Die kalkulatorische Abschreibung oben hat mit deiner Steuererklärung nichts zu tun. Steuerlich zählen Anschaffungskosten und amtliche Nutzungsdauer – und hier wird es kurios: Die Branchentabelle für die Holzbearbeitung stammt von 1995 und kennt weder Formatkreissäge noch CNC-Bearbeitungszentrum als eigene Position; Besäum- und Mehrblattkreissägen stehen dort mit 6 bis 8 Jahren. In der Praxis setzen Steuerberater für die Formatkreissäge meist 5 Jahre an. Kalkulatorisch zählt dagegen der Wiederbeschaffungswert über die echte Nutzungsdauer, und die liegt bei gepflegten Maschinen deutlich höher. Beide Rechnungen haben ihren Zweck: Die eine senkt die Steuerlast, die andere sichert, dass am Ende das Geld für die Ersatzmaschine da ist.
Steuerlich ist gerade ein günstiges Fenster offen: Für Anschaffungen zwischen Juli 2025 und Ende 2027 gilt wieder die degressive Abschreibung mit bis zu 30 Prozent vom Restwert. Betriebe bis 200.000 € Gewinn können außerdem mit dem Investitionsabzugsbetrag bis zu 50 Prozent der geplanten Anschaffung vorziehen und 40 Prozent Sonderabschreibung nutzen – beides nach § 7g EStG. Ob und wie das für deinen Betrieb passt, klärst du mit deinem Steuerberater. Was eine Maschine nach Vorsteuer und Abschreibung im Betrieb wirklich kostet – im Jahr, im Monat, je Arbeitstag –, rechnet dir unser Helfer Investition statt Anschaffung in etwa einer Minute vor.
Der Maschinenstundensatz ist die eine Hälfte deiner Kalkulation. Die andere ist der Preis deiner Arbeitsstunde – aus Löhnen, produktiven Stunden, Gemeinkosten und Gewinn. Den rechnet dir der Stundensatz-Rechner in etwa zwei Minuten aus, ohne Anmeldung – und zeigt dir, wie weit dein heutiger Satz davon entfernt ist.
